Mit großem Interesse verfolgten am 07.07.2026 die Gäste des Divan – Das Arabische Kulturhaus einen Abend, der den Blick auf ein Kapitel der Geschichte richtete, das lange Zeit im Schatten etablierter historischer Narrative stand. Unter dem Titel „Athīrat – Wenn die Wüste ihr Gedächtnis wiederfindet: Arabien vor dem Islam“ eröffnete die Veranstaltung faszinierende Einblicke in die neuesten Forschungen zur Geschichte und Kultur des Alten Arabiens und zeigte eindrucksvoll, wie archäologische Entdeckungen unser Verständnis der Vergangenheit kontinuierlich erweitern.
Im Mittelpunkt stand die Vorstellung der zweiten Ausgabe des Athīrat: Journal of Ancient Arabia, einer international begutachteten wissenschaftlichen Fachzeitschrift, die vom Hassan bin Mohammed Center for Historical Studies in Doha in Kooperation mit dem renommierten Wissenschaftsverlag Brill herausgegeben wird. Die Publikation versteht sich als internationale Plattform für Forschungen zu den Sprachen, Inschriften, der Archäologie und Kulturgeschichte des Alten Arabiens und leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dieses Forschungsfeld stärker im globalen wissenschaftlichen Diskurs zu verankern.
Den Eröffnungsvortrag hielt Dr. Muhammad Maraqten, Chefredakteur von Athīrat und einer der führenden Experten für die Epigraphik des Alten Arabiens. Anhand neuer Inschriftenfunde und archäologischer Erkenntnisse zeichnete er das Bild einer Region, die bereits lange vor dem Islam von kultureller Vielfalt, komplexen Handelsnetzwerken und ausgeprägten Schrifttraditionen geprägt war. Seine Ausführungen machten deutlich, dass die Arabische Halbinsel keineswegs als historische Peripherie verstanden werden kann, sondern als ein bedeutender Kulturraum, dessen Geschichte zunehmend differenzierter rekonstruiert wird.
Besonders eindrucksvoll war die Verbindung wissenschaftlicher Präzision mit anschaulicher Vermittlung. Die vorgestellten Inschriften, Felszeichnungen und archäologischen Zeugnisse ließen die Vergangenheit greifbar werden und verdeutlichten, dass Geschichte nicht allein in literarischen Quellen überliefert wird. Vielmehr bewahren materielle Zeugnisse das kulturelle Gedächtnis vergangener Gesellschaften und eröffnen neue Perspektiven auf ihre Lebenswelten, ihre Sprachen und ihre religiösen Vorstellungen.
Im anschließenden Podiumsgespräch diskutierten Dr. Muhammad Maraqten, Prof. Dr. André Gingrich und Abdelraouf Oueslati, Publishing Manager für Nahost- und Islamstudien bei Brill, über die Bedeutung internationaler wissenschaftlicher Kooperationen. Dabei wurde deutlich, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Hassan bin Mohammed Center for Historical Studies und Brill weit über die Herausgabe einer Fachzeitschrift hinausreicht. Sie steht beispielhaft für den Anspruch, exzellente Forschung über institutionelle, sprachliche und geografische Grenzen hinweg sichtbar zu machen und den wissenschaftlichen Austausch zwischen arabischen und internationalen Forschungsgemeinschaften nachhaltig zu stärken.
Die lebhafte Diskussion mit dem Publikum zeigte das große Interesse an den neuen Erkenntnissen zur Geschichte des Alten Arabiens. Fragen nach der Entzifferung antiker Inschriften, nach aktuellen archäologischen Ausgrabungen und nach der Bedeutung dieser Forschungen für das heutige Verständnis der arabischen Geschichte machten deutlich, wie sehr das Thema über den engeren akademischen Rahmen hinaus gesellschaftliche Relevanz besitzt.
Die Veranstaltung unterstrich eindrucksvoll, dass Archäologie weit mehr ist als die Rekonstruktion vergangener Epochen. Sie ist eine Wissenschaft der Erinnerung, die verschüttete Geschichten freilegt und kulturelle Kontinuitäten sichtbar macht. Das Alte Arabien erscheint dadurch nicht als Randgebiet der Geschichte, sondern als unverzichtbarer Bestandteil der Kulturgeschichte des Alten Orients und der Menschheitsgeschichte insgesamt.
Mit diesem wissenschaftlichen Abend setzte der Divan – Das Arabische Kulturhaus seine erfolgreiche Reihe akademischer Kulturveranstaltungen fort. Die Verbindung von aktueller Spitzenforschung, internationalem wissenschaftlichem Austausch und öffentlicher Wissensvermittlung machte die Veranstaltung zu einem inspirierenden Forum des Dialogs. Sie zeigte eindrucksvoll, wie kulturelles Erbe lebendig vermittelt werden kann – nicht als Relikt der Vergangenheit, sondern als Grundlage für ein tieferes Verständnis unserer gemeinsamen Geschichte.































































































