Am Donnerstag, den 21. Mai 2026, fand im Divan – Das Arabische Kulturhaus in Berlin eine weitere Veranstaltung der gemeinsamen Reihe „Schätze des Wissens – Arabische Handschriften im Dialog“ statt, die in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin (Stabi) durchgeführt wird. Die Reihe widmet sich der wissenschaftlichen, kulturhistorischen und gesellschaftlichen Bedeutung arabischer Handschriften und eröffnet einen interdisziplinären Zugang zu den vielfältigen Wissens- und Literaturtraditionen der arabischen Welt.
Der Abend stand unter dem Titel „Wortschatz und Wortgewandtheit – Lexikografie und Literatur in arabischen Handschriften“ und brachte unterschiedliche Perspektiven auf Sprache, Literatur und Wissensüberlieferung zusammen. Vor einem interessierten Publikum diskutierten die Referierenden die Bedeutung arabischer Manuskriptkulturen als zentrale Träger intellektueller, literarischer und philologischer Traditionen. Die Moderation übernahm Christoph Rauch, Leiter der Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin, der die Veranstaltung in den größeren Kontext der Berliner Handschriftensammlungen und ihrer internationalen wissenschaftlichen Relevanz einordnete.
Dr. Colinda Lindermann stellte das bedeutende lexikografische Werk „al-Qāmūs al-Muḥīṭ“ des berühmten Gelehrten al-Fīrūzābādī vor. In ihrem Vortrag beleuchtete sie die Rolle arabischer Lexikografie als eigenständige Wissensdisziplin und zeigte auf, wie Wörterbücher im postformativen Zeitraum weit über ihre Funktion als reine Sprachverzeichnisse hinausgingen. Anhand des Manuskripts wurde deutlich, dass lexikografische Werke zugleich Orte philologischer Kommentierung, kultureller Wissensspeicherung und intellektueller Auseinandersetzung waren. Lindermann erläuterte zudem die komplexen Überlieferungszusammenhänge arabischer Wörterbücher sowie deren Bedeutung für die Erforschung vormoderner Wissensordnungen und Sprachkonzepte. Die Präsentation des Originals ermöglichte den Gästen darüber hinaus einen unmittelbaren Einblick in materielle Aspekte der Manuskriptkultur, darunter Schriftgestaltung, Kommentierungspraxis und Nutzungsspuren historischer Handschriften.
Im zweiten Teil des Abends widmete sich der renommierte Arabist, Übersetzer und Autor Stefan Weidner der literarischen Dimension arabischer Handschriftentraditionen. Ausgehend von der Geschichte des „Aʿshā Hamdān“ aus dem berühmten Werk „Kitāb al-Aghānī“ thematisierte er die Wechselwirkung zwischen mündlicher Überlieferung, poetischer Erinnerungskultur und schriftlicher Tradierung. Weidner zeigte eindrucksvoll, wie literarische Handschriften nicht nur als Speicher klassischer Texte fungieren, sondern zugleich Ausdruck gesellschaftlicher, ästhetischer und politischer Diskurse ihrer Zeit sind. Dabei wurde insbesondere die Bedeutung des „Kitāb al-Aghānī“ als zentrale Quelle arabischer Literatur- und Kulturgeschichte hervorgehoben, deren narratives und poetisches Material bis in die Gegenwart nachwirkt. Weidners Ausführungen machten deutlich, wie eng Literatur, historische Erfahrung und kulturelle Selbstverständigung innerhalb der arabischen Geistesgeschichte miteinander verflochten sind.
Ein besonderer Höhepunkt der Veranstaltung war die Präsentation der Handschriften im Original. Die seltene Möglichkeit, die Manuskripte unmittelbar zu betrachten, eröffnete dem Publikum einen direkten Zugang zur materiellen Dimension historischer Wissensüberlieferung. In der anschließenden Diskussion entwickelte sich ein lebendiger Austausch über die Aktualität arabischer Handschriftensammlungen, Fragen kulturellen Erbes sowie die Bedeutung philologischer und literaturwissenschaftlicher Forschung im heutigen Kontext.
Die Veranstaltung verdeutlichte erneut die Relevanz interdisziplinärer Perspektiven auf arabische Handschriften und unterstrich die Bedeutung kultureller Institutionen wie des DIVAN und der Staatsbibliothek zu Berlin für die Vermittlung und Erforschung transkultureller Wissensbestände. Die Reihe „Schätze des Wissens – arabische Handschriften im Dialog“ leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarmachung arabisch-islamischer Geistesgeschichte sowie zur Förderung eines differenzierten kulturellen Dialogs in der Gegenwart.




























































































































