Am Donnerstag, den 04. Juni 2026, fand im Divan – Das Arabische Kulturhaus die Veranstaltung unter dem Titel „Vom Stein der Weisen und altem Heilwissen – Alchemie und Medizin in arabischen Handschriften“ statt. Diese war Teil der Veranstaltungsreihe „Schätze des Wissens – Arabische Handschriften im Dialog“, welche in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin (STABI) durchgeführt wird.
Ein besonderer Höhepunkt der Veranstaltung war die Präsentation der Handschriften im Original. Die seltene Möglichkeit des direkten Zugangs zu den Manuskripten sowie der Auseinandersetzung mit diesen ermöglichte es dem Publikum, das arabische Kulturerbe hautnah zu erfahren und dadurch die Dimension wissenschaftlicher, kulturhistorischer und gesellschaftlicher Bedeutung von Handschriften zu erleben.
Im ersten Teil stellte die Islam- und Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Regula Forster von der Universität Tübingen ihre Forschung zur Handschrift Sprenger 1969 vor. Im Fokus ihres Vortrags stand der erste Teil des später zusammengefügten Werkes, der die Gedichtsammlung Šuḏūr aḏ-ḏahab (Die Goldsplitter) umfasst. Die von Ibn Arfaʿ Raʾs verfassten Gedichte gelten als wichtige Texte der alchemistischen Tradition, erfahren jedoch zugleich literarische Wertschätzung aufgrund ihrer sprachlichen Gestaltung und metaphorischen Dichte, wie Prof. Forster herausarbeitete. Die wissenschaftliche Relevanz der Sammlung wurde zudem durch die große Zahl überlieferter Handschriften – rund 100 Exemplare – sowie deren heutige geografische Verbreitung deutlich unterstrichen.
Anschließend widmete sich Dr. Ayman Atat von der TU Braunschweig, der sich mit arabischer Medizin und Pharmazie befasst, der faszinierenden Welt arabischer Handschriften. Er gewährte Einblicke in die Bedeutung pharmazeutischen Wissens in den Kulturen des Mittelmeerraums sowie des regen Austauschs und der ständigen Entwicklung von Wissen und verdeutlichte dessen Rolle für die Geschichte von Medizin und Pharmazie. Anhand des Autors Ibn al-Bayṭār und seines Werkes „Al-Jāmiʿ li-mufradāt al-adwiya wa-l-aghdhiya“ (Das umfassende Werk über einfache Arzneimittel und Lebensmittel) zeigte er auf, wie umfassend das Wissen über 1400 Arzneistoffe im arabisch-islamischen Kulturraum dokumentiert wurde. Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Handschrift „Rawḍat al-ʿIṭr“ des osmanischen Arztes Muḥammad ibn Maḥmūd Ḥāǧǧī al-Širwānī aus dem 15. Jahrhundert. Dr. Atat stellte dieses Werk als ein bedeutendes Nachschlagewerk für Apotheker vor, das das pharmazeutische Wissen seiner Zeit systematisch zusammenfasste. Besonders hervorgehoben wurde die Rolle solcher Handschriften bei der Weitergabe und Bündelung medizinischen und pharmazeutischen Wissens von der griechischen Antike über die persische Zeit und arabische Hochkultur bis in spätere Epochen.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Christoph Rauch, Leiter der Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin, der im zweiten Teil des Abends das Gespräch mit dem Publikum leitete.
Die zahlreichen Fragen des Publikums ließen ein kulturell wertvolles Gespräch über die Bedeutung von Handschriften und deren Bewahrung, die Methodik der Überlieferung und Wissensammlung im arabischen Kulturraum sowie inhaltliche Fragen entstehen. Bei der darauffolgenden Begutachtung der Originale wurde dieser Austausch im Publikum weitergetragen, wodurch die Relevanz kultureller Institutionen wie des DIVAN und der Staatsbibliothek zu Berlin für die Vermittlung und Erforschung transkultureller Wissensbestände verdeutlicht wurde, um die Vielfalt arabischer Kultur sichtbar zu machen, den Dialog zu fördern und Brücken zwischen der arabischen und der deutschen Kultur zu bauen.
















































































































