Am Dienstag, den 14. April 2026, fand um 18:00 Uhr im Divan – Das Arabische Kulturhaus in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin ein weiterer Abend der Veranstaltungsreihe „Schätze des Wissens – Arabische Handschriften im Dialog“ statt. Die Veranstaltung fand unter dem Titel „Von Büchern und Menschen – arabische Handschriften als sozialgeschichtliche Quelle“ statt.
Im Mittelpunkt des Abends stand die Erkenntnis, dass arabische Handschriften weit über ihre Funktion als bloße Textträger hinausgehen. Sie eröffnen Einblicke in historische Lebenswelten, dokumentieren Wissenszirkulation sowie kulturelle Begegnungen und spiegeln soziale Netzwerke über Jahrhunderte hinweg wider.
Die beiden renommierten Handschriftenforscher Said al-Jomani und Boris Liebrenz präsentierten jeweils eine persönliche Lieblingshandschrift aus der Berliner Sammlung. Die ausgewählten Stücke wurden im Original vor Ort gezeigt und ermöglichten dem Publikum einen unmittelbaren Zugang zu den materiellen und historischen Dimensionen der Objekte.
Dr. Said al-Jomani (Universität Hamburg) gewährte mit seiner mitgebrachten Lieblingshandschrift Ǧuzʾ Abi-‚l-Faḍl al-Ǧārūdī (Sammlung von vierzig ḥadīṯen) Einblicke in seine Forschung zu sogenannten Samaʿāt (Hörervermerken), die in Handschriften die autorisierte Weitergabe von Wissen zwischen Lehrern und Schülern dokumentieren. Anhand dieser Vermerke lassen sich komplexe Gelehrtennetzwerke rekonstruieren.
Dr. Boris Liebrenz (Sächsische Akademie der Wissenschaft in Leipzig) hingegen beleuchtete mit der Handschrift Nihāyat al-arab fī funūn al-adab (Nuwairī, Aḥmad Ibn-ʿAbd-al-Wahhāb an-) (der siebte Teil der Enzyklopädie) die Wege, die Handschriften im Laufe der Zeit genommen haben, und stellte die Perspektive von Besitzern und Lesern in den Vordergrund.
Das anschließende Gespräch moderierte Christoph Rauch, der als Leiter der Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin tätig ist. In der offenen Diskussionsrunde nutzten zahlreiche Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, Fragen zu stellen und die vorgestellten Themen weiter zu vertiefen.
Die Veranstaltung wurde simultan ins Arabische und Deutsche übersetzt und ermöglichte so einem vielfältigen Publikum die Teilnahme. Insgesamt bot der Abend eindrucksvolle Einblicke in die soziale Geschichte arabischer Handschriften, unterstrich deren Bedeutung als lebendige Zeugnisse kultureller Vernetzung und verdeutlichte, was für ein großes, teilweise noch komplett unerforschtes Forschungsspektrum sich hinter den arabischen Handschriften versteckt.
Wir freuen uns auf die nächste Veranstaltung dieser Reihe, die am Donnerstag, dem 21. Mai 2026 um 18 Uhr mit Colinda Lindermann und Stefan Weidner erneut im Divan stattfinden wird.
































































































