Was können uns jahrhundertealte Handschriften über die Menschen erzählen, die sie verfasst, gelesen und bewahrt haben? Und wie lässt sich arabische Geschichte durch ihre schriftlichen Zeugnisse neu entdecken?
Diesen Fragen widmete sich die Veranstaltung „Schätze des Wissens – Arabische Handschriften im Dialog“, die am Donnerstag, den 17. September 2026, im Divan stattfand. Die Veranstaltung ist Teil der gemeinsamen Reihe des Divan und der Staatsbibliothek zu Berlin, die sich arabischen Handschriften als bedeutenden Zeugnissen der Wissens-, Kultur- und Gesellschaftsgeschichte widmet.
Arabische Geschichte in alten Handschriften
Im Mittelpunkt des Abends standen zwei ausgewählte Handschriften aus der arabischen Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin. Anhand der erhaltenen Handschriften eröffneten Prof. Dr. Konrad Hirschler und Dr. Feras Krimsti unterschiedliche Perspektiven auf die arabische Geschichte. Die Themen reichten von politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen bis hin zu Gelehrten, Wissensaustausch und der Bewahrung historischer Erinnerung.
Prof. Dr. Konrad Hirschler, der zu den international renommierten Historikern des Nahen Ostens für die Zeit zwischen 1100 und 1500 zählt, beschäftigt sich unter anderem mit arabischer Geschichtsschreibung sowie mit der Geschichte von Bibliotheken und Sammlungen. Sein Beitrag rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie historische Handschriften politische Veränderungen, gesellschaftliche Konflikte und die Erfahrungen vergangener Gemeinschaften dokumentieren und überliefern. Dabei wurde deutlich, dass Geschichtsschreibung nicht allein aus großen Ereignissen besteht, sondern auch durch Perspektiven, Auswahlentscheidungen und Überlieferungsprozesse geprägt wird, die in schriftlichen Quellen sichtbar werden.
Dr. Feras Krimsti, dessen Forschungsschwerpunkte auf den arabischen Provinzen des Osmanischen Reiches in der Frühen Neuzeit und Moderne sowie auf arabischen Handschriften und historischen Dokumenten liegen, widmete sich der Bedeutung von Gelehrten, Wissensaustausch und der Bewahrung historischer Erinnerung. Seine Perspektive verdeutlichte, wie Handschriften über ihre Funktion als Textträger hinaus Einblicke in die geistigen, sozialen und institutionellen Zusammenhänge ihrer Entstehungs- und Nutzungsgeschichte ermöglichen.
Ein besonderer Bestandteil des Abends war die Präsentation der vorgestellten Handschriften im Original. Die direkte Auseinandersetzung mit der historischen Schrift machte sichtbar, dass Handschriften nicht nur Inhalte bewahren, sondern auch Spuren ihrer Herstellung, Weitergabe, Nutzung und Überlieferung tragen. Auf diese Weise verbinden sie Textgeschichte mit Sozial-, Wissens- und Kulturgeschichte.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Christoph Rauch, dem Leiter der Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Im anschließenden Gespräch erhielten die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, die vorgestellten Themen gemeinsam weiterzudenken und Fragen an die Referenten zu richten. Der Austausch zeigte, wie aus historischen Dokumenten ein lebendiger Zugang zur Vergangenheit entstehen kann.
Die fünfte Veranstaltung der Reihe unterstrich erneut, wie vielfältig die Perspektiven sind, die sich aus der Beschäftigung mit arabischen Handschriften eröffnen. Sie sind Quellen politischer und gesellschaftlicher Geschichte, Zeugnisse intellektueller Zusammenhänge und zugleich materielle Dokumente einer über Jahrhunderte gewachsenen Wissenskultur.
Mit „Schätze des Wissens – Arabische Handschriften im Dialog“ setzen der Divan – Das Arabische Kulturhaus und die Staatsbibliothek zu Berlin ihre gemeinsame Arbeit daran fort, arabische Schrift- und Wissenskulturen sichtbar zu machen, wissenschaftliche Forschung mit kultureller Vermittlung zu verbinden und neue Zugänge zu einem bedeutenden Teil des globalen Kulturerbes zu schaffen.





































































































