Drei Tage Literatur, Wissenschaft und kultureller Austausch: Mit mehr als 110 Verlagen, Autorinnen und Autoren sowie einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm brachte die 4. Arabische Buchmesse des Divan die literarische und intellektuelle Vielfalt der arabischen Welt nach Berlin.
Vom 16. bis 18. Oktober 2026 verwandelte sich das Estrel Berlin in einen Ort der Begegnung zwischen arabischer und deutscher Literatur, Wissenschaft und Kultur. Die vierte Arabische Buchmesse des Divan – Das Arabische Kulturhaus vereinte mehr als 110 Verlage aus der arabischen Welt und Deutschland und bot dem Publikum die Möglichkeit, Neuerscheinungen zu entdecken, mit Autorinnen und Autoren ins Gespräch zu kommen und unterschiedliche literarische und wissenschaftliche Perspektiven kennenzulernen.
Die Buchmesse versteht sich nicht allein als Präsentationsplattform für Bücher und Verlage. Sie schafft zugleich einen Raum, in dem Literatur, Übersetzung, Wissenschaft und kulturelle Erinnerung miteinander ins Gespräch treten. Das begleitende Programm spiegelte diesen Anspruch in einer Reihe von Podiumsgesprächen, literarischen Begegnungen und Fachveranstaltungen wider, die sich mit der arabischen Literatur, dem Verlagswesen, historischen Handschriften und der Rolle kultureller Institutionen im internationalen Dialog befassten.
Programm
Eine Eröffnung im Zeichen des kulturellen Dialogs
Die Eröffnung am Freitag, dem 16. Oktober, unterstrich die Bedeutung der Buchmesse als Plattform für den Austausch zwischen der arabischen Welt und Deutschland. Zu den Rednerinnen und Rednern gehörten S. E. Abdullah bin Ibrahim Al-Hamar, Botschafter des Staates Katar in Deutschland und Vorsitzender des Beirates des Divan; Jassim Al-Buainain, Direktor der Doha International Book Fair und Leiter der Bibliotheksabteilung im katarischen Kulturministerium; Bachar Chebaro, Generalsekretär des Arabischen Verlegerverbandes; Dr. Annika Reich, Schriftstellerin, Essayistin und Initiatorin des internationalen Literaturprojekts „Weiter Schreiben“; sowie Christina Beinhoff, Leiterin der Abteilung für Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt.
Die Beiträge machten deutlich, dass Buchmessen weit über den Handel mit Publikationen hinausreichen. Sie eröffnen Möglichkeiten, literarische Stimmen sichtbar zu machen, kulturelle Erfahrungen zu vermitteln und den Austausch zwischen Gesellschaften durch die Begegnung mit ihren Texten und Denkweisen zu vertiefen.
Mit mehr als 110 teilnehmenden Verlagen bot die Messe ein breites Spektrum arabischer Publikationen – von Literatur und Poesie über wissenschaftliche Werke bis hin zu Kunst- und Kinderbüchern.
Übersetzung, Verlagswesen und die Zukunft des Buches
Ein Schwerpunkt des Programms galt der arabisch-deutschen Literaturübersetzung und ihrer Bedeutung für den kulturellen Austausch. Unter dem Titel „Arabisch-deutsche Übersetzung: Gegenwart, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven“ diskutierten Dr. Thorsten Arendt, Samir Grees, Larissa Bender und Dalal Nasrallah unter der Moderation von Mustafa Al-Slaiman über Möglichkeiten und Herausforderungen der Vermittlung literarischer Werke zwischen beiden Sprachräumen. Linda Haddad übernahm die Simultanübersetzung.
Die Diskussion beleuchtete die Rolle der Übersetzung als mehr als eine sprachliche Übertragung: Sie eröffnet neue Rezeptionsräume, vermittelt kulturelle Kontexte und ermöglicht es literarischen Werken, über die Grenzen ihrer ursprünglichen Leserschaft hinaus Wirkung zu entfalten.
Auch die Rolle von Buchmessen im internationalen Kulturaustausch stand im Mittelpunkt. Bachar Chebaro, Jassim Al-Buainain und Claudia Kaiser von der Frankfurter Buchmesse erörterten unter der Moderation von Mustafa Al-Slaiman die Chancen und Herausforderungen, die sich aus der Begegnung unterschiedlicher Verlagslandschaften ergeben.
Dabei ging es um die Bedeutung internationaler Plattformen für die Sichtbarkeit von Literatur, um die Zusammenarbeit zwischen Verlagen und um die Frage, wie Buchmessen nachhaltige Beziehungen zwischen Kulturräumen fördern können.
Arabische Handschriften: Überlieferung als lebendige Erzähltradition
Ein weiterer Höhepunkt war die Abschlussveranstaltung der Reihe „Schätze des Wissens – Arabische Handschriften im Dialog“, die in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin stattfand.
Unter dem Titel „Kreative Erzähler in arabischen Handschriften“ widmeten sich Prof. Dr. Claudia Ott, Dr. Johannes Stephan und der Moderator Christoph Rauch den literarischen Stimmen, Erzähltraditionen und Wissenswelten, die in arabischen Handschriften überliefert sind.
Die Veranstaltung rückte Handschriften nicht nur als historische Zeugnisse in den Blick, sondern auch als Träger literarischer Vorstellungskraft und kultureller Erinnerung. Sie verdeutlichte, wie die Auseinandersetzung mit überlieferten Texten neue Zugänge zur arabischen Literaturgeschichte eröffnet und den Dialog zwischen historischer Forschung und gegenwärtiger Kulturarbeit bereichert.
Katarisches Kulturerbe: Das Meer als Raum der Erinnerung
Die kulturellen Beiträge aus Katar nahmen einen wichtigen Platz im Programm ein. Unter dem Titel „Das Meer im kulturellen Gedächtnis Katars: Geschichten, Kunst und Identität“ sprachen Mohammed Al-Sayegh und Omar Bousaqer unter der Moderation von Rashid Hilal über das maritime Erbe Katars und seine Bedeutung für die kulturelle Identität des Landes.
Die Veranstaltung beleuchtete die Geschichten, künstlerischen Ausdrucksformen und Traditionen, die mit dem Meer verbunden sind. Sie zeigte, wie maritime Lebenswelten über Generationen hinweg das kollektive Gedächtnis prägen und in Erzählungen, Kunst und kulturellen Praktiken fortleben.
Damit eröffnete die Diskussion einen Zugang zur Geschichte Katars, der über politische und wirtschaftliche Perspektiven hinausgeht und die kulturellen Erfahrungen sichtbar macht, die das Selbstverständnis der Gesellschaft mitgeprägt haben.
Kulturelle Institutionen als Brücken zwischen Gesellschaften
Die Bedeutung kultureller Einrichtungen für Verständigung und gesellschaftlichen Austausch stand im Zentrum des Gesprächs „Kulturelle Institutionen: Brücken für Dialog und Verständigung zwischen den Gesellschaften“.
Zu den Teilnehmern gehörten Dr. Mohammed Boudi, Dr. Safa Alalawi, Ibrahim Al-Buhashim Al-Sayyid, Generaldirektor des Qatar Books House (Dar al-Kutub al-Qatariyya), Said Al-Saqlawi und Prof. Dr. Achim Bonte. Die Moderation übernahm Mustafa Al-Slaiman.
Die Diskussion widmete sich der Frage, wie kulturelle Institutionen durch ihre Programme, Sammlungen, Publikationen und internationalen Kooperationen Räume der Begegnung schaffen können. Im Mittelpunkt stand ihre Fähigkeit, Wissen zugänglich zu machen, kulturelle Perspektiven zu vermitteln und Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher und kultureller Hintergründe zu fördern.
Die Teilnahme von Ibrahim Al-Buhashim Al-Sayyid verlieh der Diskussion zugleich eine Perspektive aus der institutionellen Buch- und Bibliotheksarbeit Katars. Damit wurde deutlich, dass der kulturelle Austausch nicht allein durch einzelne Veranstaltungen entsteht, sondern auch auf langfristiger Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen beruht, die Wissen bewahren, erschließen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.
Arabische Poesie: Sprache, Klang und kulturelles Gedächtnis
Die arabische Dichtung stand im Mittelpunkt der Veranstaltung „An den Ufern der arabischen Poesie: Die Melodie der Reime in der arabischen Sprache“.
Der Dichter Abdulrahman Al-Dulaimi, Dr. Rashed Al-Najem, Hamedy Almutairi und Dr. Ishaq Al-Khanjari widmeten sich unter der Moderation des Dichters Fares Matar der Ausdruckskraft der arabischen Sprache, der klanglichen Gestaltung der Poesie und der Bedeutung dichterischer Traditionen für das kulturelle Gedächtnis.
Die Begegnung stellte die sprachliche und ästhetische Vielfalt der arabischen Poesie in den Mittelpunkt und verdeutlichte ihre anhaltende Bedeutung als Ausdruck individueller Erfahrung, kollektiver Erinnerung und kultureller Identität.
Digitale Literatur und zeitgenössisches Verlagswesen
Mit den Veränderungen literarischer Produktion und Veröffentlichung beschäftigte sich die Podiumsdiskussion „Digitale Literatur und zeitgenössisches Verlagswesen: Im Spannungsfeld kultureller Identitäten“.
Shamma Shaheen Al-Kuwari, eine vielfach ausgezeichnete katarische Schriftstellerin und Romanautorin, diskutierte gemeinsam mit Dr. Amur Al Aisari, außerordentlicher Professor an der Pädagogischen Fakultät der Sultan-Qabus-Universität und Vertreter der Omanischen Gesellschaft für Schriftsteller und Autoren und Stefan Weidner, Schriftsteller, Übersetzer und Islamwissenschaftler.
Die Diskussion widmete sich den Chancen und Herausforderungen, die digitale Medien für Literatur, Publikationsformen und kulturelle Identitäten mit sich bringen. Sie thematisierte, wie sich literarische Produktion und Verbreitung unter den Bedingungen digitaler Kommunikation verändern und welche neuen Möglichkeiten, aber auch Spannungsfelder sich daraus für Autorinnen und Autoren, Verlage und Leserschaften ergeben.
Die Teilnahme Al-Al-Kuwaris unterstrich die Präsenz katarischer Autorinnen und Autoren im Programm und brachte eine Perspektive ein, die literarische Praxis, arabische Sprache und die Transformation des zeitgenössischen Verlagswesens miteinander verbindet.
Begegnungen mit Autorinnen und Autoren
Ergänzend zu den Podiumsgesprächen bot die Buchmesse Raum für persönliche Begegnungen und Buchsignierungen. Zu den beteiligten Autorinnen und Autoren gehörten Dr. Amir Hamad, Nader Haj Omar, Mousa Alzaeem, Dr. Dalal Makari-Pausch, Said Abakar Ahmed, Dr. Mohammed Jouda und Dr. Najat Abed Alsamad.
Diese Begegnungen ermöglichten den Besucherinnen und Besuchern, mit den Schreibenden direkt ins Gespräch zu kommen, mehr über die Entstehung ihrer Werke zu erfahren und Literatur nicht nur als fertiges Buch, sondern auch als Ergebnis individueller Erfahrungen, Recherche und kreativer Arbeit kennenzulernen.
Riwaq-Preis für Wissenschaft und Kultur
Ein besonderer Höhepunkt der 4. Arabischen Buchmesse war die Verleihung des erstmals ausgeschriebenen Riwaq-Buchpreises für Wissenschaft und Kultur, einer gemeinsamen Initiative von Der Divan – Das Arabische Kulturhaus und dem Orient-Institut Beirut.
Die Preisverleihung wurde durch ein Grußwort von Clemens Hach, stellvertretender Abteilungsleiter für Nahost und Nordafrika im Auswärtigen Amt, bereichert. Der Preis würdigt herausragende wissenschaftliche Monografien, die sich mit arabischen Kulturen und Gesellschaften befassen und durch innovative Forschungsansätze neue Perspektiven auf ihre jeweiligen Fachgebiete eröffnen. In der ersten, den Geisteswissenschaften gewidmeten Ausschreibungsrunde 2026 wurden drei Werke in den Sprachkategorien Arabisch, Deutsch und Englisch ausgezeichnet. Die Preisträger waren Dr. Raed Al-Samhouri für Ibn Taymiyya al-Tarikhi wa-l-Mustaʿad, Yvonne Albers für Beirut und die Zeitschrift Mawaqif. Eine arabische Intellektuellengeschichte 1968–1994 und Nora K. Schmid für The Ascetic Qur’an and its Kharijite Readers.
Mit dem Riwaq-Preis setzen Der Divan und das Orient-Institut Beirut ein Zeichen für die Förderung exzellenter Forschung und den internationalen wissenschaftlichen Austausch.
Ein gemeinsamer Raum für Literatur, Wissen und Verständigung
Die vierte Arabische Buchmesse des Divan verband die Präsentation von Publikationen mit einem Programm, das historische Überlieferung, literarische Ausdrucksformen, wissenschaftliche Fragestellungen und zeitgenössische Entwicklungen zusammenführte.
Die Vielfalt der beteiligten Autorinnen und Autoren, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie kulturellen Institutionen machte deutlich, dass kultureller Austausch dort besonders fruchtbar wird, wo unterschiedliche Perspektiven nicht nur nebeneinanderstehen, sondern miteinander ins Gespräch kommen.
Mit der Buchmesse setzt Der Divan – Das Arabische Kulturhaus seine Arbeit fort, Literatur und Wissen aus der arabischen Welt einem breiten Publikum zugänglich zu machen und den Austausch zwischen arabischen und deutschen Kultur- und Wissenschaftsräumen zu stärken. Das Buch bleibt dabei mehr als ein Medium der Wissensvermittlung: Es ist ein Ort, an dem Erinnerungen bewahrt, Fragen neu gestellt und Brücken zwischen Gesellschaften gebaut werden.














































































































































































































































































































































































































































































































































