Wie können architektonische Traditionen unterschiedlicher Kulturräume miteinander ins Gespräch treten? Und was entsteht, wenn junge Menschen diese Traditionen nicht nur betrachten, sondern selbst untersuchen, hinterfragen und neu gestalten?
Diesen Fragen widmet sich die Ausstellung „Architektur im Dialog – Kreuzungen kultureller Traditionen“, die am Freitag, den 11. September 2026, im Divan – Das Arabische Kulturhaus in Berlin eröffnet wurde. Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt des DIVAN und des Arndt-Gymnasiums Dahlem. Im Mittelpunkt stehen die Architekturentwürfe und Modelle von Schülerinnen und Schülern, die sich mit europäischen sowie arabischen und islamisch geprägten Bau- und Gestaltungstraditionen auseinandergesetzt haben.
Die Ausstellung macht deutlich, dass Architektur weit mehr ist als die Konstruktion und Gestaltung von Gebäuden. Sie erzählt davon, wie Menschen ihre Welt verstehen, wie sie sich zur Natur verhalten und welche Räume sie für Begegnung, Rückzug, Orientierung und gemeinsames Leben schaffen. Wo unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven aufeinandertreffen, kann Architektur zu einer eigenständigen Sprache des Dialogs werden.
Junge Menschen als Gestalter des kulturellen Dialogs
Ausgangspunkt des Projekts war die Frage, welche Verbindungen zwischen unterschiedlichen architektonischen und religiösen Traditionen entdeckt werden können – und was geschieht, wenn junge Menschen diese Verbindungen aus ihrer eigenen Perspektive neu interpretieren.
Unter der künstlerischen und pädagogischen Begleitung von Nargis Rakhmanova, Künstlerin und Kunstpädagogin am Arndt-Gymnasium Dahlem, untersuchten die Schülerinnen und Schüler Formen, Symbole, Ornamente und räumliche Prinzipien. Aus diesen Beobachtungen entwickelten sie eigene architektonische Vorstellungen und übersetzten sie in Modelle und Entwürfe.
Dabei handelt es sich nicht um bloße Nachbildungen historischer Bauwerke. Die Arbeiten sind eigenständige künstlerische und gedankliche Versuche, Fragen nach Raum, Identität, Zusammenleben und Begegnung zu stellen. Die jungen Gestalterinnen und Gestalter nehmen vertraute Formen aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen heraus und geben ihnen eine neue Bedeutung.
Einige Entwürfe greifen Elemente christlicher und europäischer Architektur auf, andere beziehen sich auf geometrische und ornamentale Traditionen der islamischen Kunst und Architektur. In weiteren Arbeiten verbinden sich unterschiedliche Einflüsse zu einer eigenen Formensprache.
Die Ausstellung setzt dabei nicht auf eine Gleichsetzung der verschiedenen Traditionen oder auf die Auflösung ihrer Unterschiede. Ihre besondere Stärke liegt vielmehr darin, Unterschiede sichtbar zu lassen und gleichzeitig nach Räumen zu suchen, in denen ein produktiver Austausch möglich wird.
Zwischen Licht, Wasser, Geometrie und Garten
In den ausgestellten Arbeiten begegnen wiederkehrende Motive, die in unterschiedlichen kulturellen und religiösen Kontexten eine Rolle spielen: Licht und Schatten, Wasser und Bäume, Wege und Labyrinthe, Kreise und geometrische Strukturen, Ornamente, Kuppeln und religiöse Symbole.
Diese Elemente erscheinen nicht als starre Zeichen oder voneinander getrennte Gegensätze. Vielmehr werden sie zu Gestaltungsmitteln, die in neuen räumlichen Beziehungen zueinander treten. Ein Weg kann zum Bild für Orientierung und Suche werden, ein Ornament zu einem Prinzip der Ordnung, ein Baum zum Symbol für Leben und Wachstum und Licht zu einem Medium, das Grenzen überschreitet.
Eine zentrale Rolle spielt dabei der Gartenpavillon. Als offener und zugänglicher Bautyp besitzt er keine festgelegte religiöse Funktion. Er kann ein Ort der Ruhe und Betrachtung sein, zugleich aber auch ein Raum für Gespräch, Begegnung und gemeinsames Erleben.
Gerade diese Offenheit macht den Gartenpavillon zu einem aussagekräftigen architektonischen Bild für interkulturellen Dialog. Der Garten verbindet Natur und Gestaltung, Ordnung und Wachstum, Rückzug und Begegnung. Wasser, Bäume, Wege, Schatten und Licht werden nicht nur funktional, sondern auch symbolisch erfahrbar.
In den Modellen wird dieses Motiv immer wieder neu ausgelegt: Ein Labyrinth führt in ein Zentrum, ein Baum wächst aus einer architektonischen Struktur heraus, Wasser wird zum verbindenden Element, geometrische Muster ordnen Wände und Dächer, während Licht durch Öffnungen fällt und die Beziehung zwischen Innen und Außen verändert.
Der Divan als Ort des Austauschs
Für den Divan ist die Ausstellung mehr als eine Präsentation studentischer Arbeiten. Sie steht beispielhaft für das Selbstverständnis des Hauses als Ort der Begegnung, an dem kulturelle Perspektiven nicht nur vorgestellt, sondern durch Zusammenarbeit, künstlerische Praxis und gemeinsames Nachdenken miteinander in Beziehung gesetzt werden.
Der kulturelle Dialog findet hier nicht ausschließlich in Podiumsdiskussionen oder Vorträgen statt. Er entsteht ebenso im gemeinsamen Gestalten, im Lernen, im Betrachten und im Versuch, die Perspektive des Anderen zu verstehen. In diesem Sinne wird die Zusammenarbeit mit dem Arndt-Gymnasium Dahlem zu einem konkreten Beispiel dafür, wie kulturelle Verständigung praktisch erfahren werden kann.
Die Schülerinnen und Schüler sind dabei nicht lediglich Empfänger kultureller Inhalte. Sie werden selbst zu aktiven Gestalterinnen und Gestaltern eines Dialogs. Ihre Modelle zeigen nicht nur, was sie über Architektur gelernt haben, sondern auch, wie eine junge Generation gemeinsames Leben, kulturelle Vielfalt und Begegnung denken kann.
Ergänzt wird die Ausstellung durch eigene künstlerische Arbeiten von Nargis Rakhmanova. Ihre Werke erweitern das Projekt um eine persönliche zeitgenössische Perspektive und treten in einen Dialog mit den architektonischen Entwürfen der Schülerinnen und Schüler.
Eröffnung mit Beiträgen aus Schule und Kunst
Im Rahmen der Eröffnung sprachen Claudia Lehmann-Schmidkunz, Schulleiterin des Arndt-Gymnasiums Dahlem, Nargis Rakhmanova, Künstlerin und Kunstpädagogin, sowie Leandra König, Oberstufenschülerin des Arndt-Gymnasiums Dahlem.
Die Zusammensetzung der Eröffnungsbeiträge unterstreicht den interdisziplinären und generationenübergreifenden Charakter des Projekts: Schule, künstlerische Vermittlung und die Perspektive der beteiligten Jugendlichen kommen miteinander ins Gespräch.
Die Ausstellung lädt dazu ein, Architektur nicht nur als gebaute Umwelt, sondern als Ausdruck kultureller Erinnerung, gesellschaftlicher Vorstellungen und menschlicher Bedürfnisse zu betrachten. Sie zeigt, dass Traditionen nicht ausschließlich bewahrt, sondern auch befragt, weiterentwickelt und in neue Zusammenhänge überführt werden können.
Was im Divan zu sehen ist, sind keine fertigen Gebäude, sondern Ideen im Entstehen. Gerade darin liegt ihre besondere Kraft. Die Modelle eröffnen Räume für Fragen: Was kann entstehen, wenn unterschiedliche Traditionen aufeinandertreffen? Wie lassen sich Unterschiede bewahren, ohne Begegnung zu verhindern? Und wie kann Gestaltung dazu beitragen, eine gemeinsame Welt neu zu denken?
Die Ausstellung beantwortet diese Fragen nicht abschließend. Sie macht sie sichtbar – und eröffnet damit einen Raum für weiteren Dialog.
Ausstellungskatalog
Ausstellungsinformationen
Architektur im Dialog – Kreuzungen kultureller Traditionen
Ein gemeinsames Ausstellungsprojekt von Der DIVAN – Das Arabische Kulturhaus in Berlin und dem Arndt-Gymnasium Dahlem
Ausstellungsdauer: 11. September bis 9. Oktober 2026
Ort: Der Divan – Das Arabische Kulturhaus in Berlin
Schützallee 27–29, 14169 Berlin
Besichtigungszeiten:
Montag bis Freitag, 10:00–16:00 Uhr
Der Eintritt ist frei.



















































































































































