Drei Bücher, drei Forschungswege und ein gemeinsames Erkenntnisinteresse: die Komplexität der arabischen Geschichte, Kultur und Geisteswelt durch fundierte wissenschaftliche Forschung wieder sichtbar zu machen. In seiner ersten Ausgabe würdigt der Riwaq-Buchpreis Arbeiten, die über die Grenzen einzelner Fachdisziplinen hinausgehen, überlieferte Deutungen kritisch hinterfragen, die Entstehung und Entwicklung von Ideen nachvollziehen und neue Perspektiven für den akademischen Dialog zwischen Sprachen und Denktraditionen eröffnen.
Am 16. Oktober 2026 ehrte Der Divan – Das Arabische Kulturhaus gemeinsam mit dem Deutschen Orient-Institut Beirut die Preisträgerinnen und Preisträger der ersten Ausgabe des Riwaq-Buchpreises für Wissenschaft und Kultur. Die Preisverleihung fand im Rahmen der 4. Arabischen Buchmesse des Divan in Berlin statt.
Der Preis würdigt herausragende wissenschaftliche Monografien, die sich mit arabischen Kulturen und Gesellschaften befassen, insbesondere Arbeiten, die ihre Forschungsgebiete durch originäre Forschung, innovative Ansätze und kritische Perspektiven weiterentwickeln. Das Preisgeld beträgt insgesamt 3.000 Euro und wird zu gleichen Teilen auf die drei Sprachkategorien Arabisch, Deutsch und Englisch verteilt.
Die erste Ausschreibung war den Geisteswissenschaften gewidmet. Die Jurys zeichneten drei Werke aus, die sich aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven mit grundlegenden Fragen der arabischen und islamischen Geistes- und Kulturgeschichte auseinandersetzen: mit der historischen Einordnung des Denkens Ibn Taymiyyas, der Neubetrachtung der modernen arabischen Geistesgeschichte anhand der Zeitschrift Mawaqif sowie der frühen Koranexegese und den Ausdrucksformen von Askese und Frömmigkeit in der Frühzeit des Islam.
Bei aller Verschiedenheit ihrer Gegenstände und Methoden verbindet die ausgezeichneten Arbeiten ein gemeinsames methodisches Prinzip: Erkenntnis entsteht nicht allein durch die Wiedergewinnung von Texten oder die Beschreibung von Phänomenen. Sie setzt vielmehr voraus, die Kontexte zu hinterfragen, in denen diese entstanden sind, die historischen Bedingungen ihrer Formierung zu verstehen und die Veränderungen ihrer Bedeutungen und Verwendungsweisen im Laufe der Zeit offenzulegen.
Drei Werke, die grundlegende Fragen neu stellen
Arabische Kategorie: Raed Al-Samhouri und die Befreiung der Tradition von den Projektionen der Gegenwart

In der arabischsprachigen Kategorie wurde Dr. Raed Al-Samhouri für sein Buch Ibn Taymiyya al-Tarikhi wa-l-Mustaʿad (Ibn Taymiyya: der historische und der wiederentdeckte) ausgezeichnet, das 2024 beim Arab Center for Research and Policy Studies erschienen ist.
Das Buch untersucht das Verhältnis zwischen einer historischen Persönlichkeit und ihrem Bild im zeitgenössischen Bewusstsein. Am Beispiel des Denkens Ibn Taymiyyas analysiert der Autor, wie die Vergangenheit neu aufgerufen und in gegenwärtigen Debatten eingesetzt wird. Indem er dessen Werk in seinen historischen, gesellschaftlichen und politischen Kontext einordnet, versucht er, verkürzte Lesarten zu überwinden, die es auf Fragen von Gewalt und Takfir – der Erklärung anderer Muslime zu Ungläubigen – reduzieren oder einzelne Textpassagen zur Rechtfertigung von Positionen und Konflikten heranziehen, die unter grundlegend anderen Bedingungen entstanden sind als jenen, unter denen die Texte ursprünglich verfasst wurden.
Die Bedeutung dieses Ansatzes liegt darin, dass er nicht nur eine historische Gelehrtenpersönlichkeit neu liest, sondern eine grundlegendere Frage nach den Bedingungen historischer Erkenntnis aufwirft: Wie lässt sich eine Tradition verstehen, ohne sie von vornherein den Erfordernissen der Gegenwart zu unterwerfen? Und wie kann zwischen der Untersuchung von Ideen in ihren ursprünglichen Zusammenhängen und ihrer selektiven Instrumentalisierung als ideologische Werkzeuge unterschieden werden?
Die Jury würdigte die Relevanz und Aktualität des Themas im arabischen Kontext sowie die konsequente Orientierung an wissenschaftlichen Standards, die sprachliche Sorgfalt und die Qualität der Darstellung. Sie hob insbesondere den Beitrag des Buches zu einem differenzierteren Verständnis des überlieferten Denkens hervor und würdigte seine Auseinandersetzung mit Deutungen, die Texte aus ihrer historischen Verankerung lösen und ihrer Vielschichtigkeit berauben.
Der methodische Anspruch des Buches verdichtet sich in einer prägnanten Formulierung: „Vielleicht brauchen wir eine Forschung, die Ibn Taymiyya aus unserer Zeit befreit – oder vielleicht unsere Zeit von ihm –, um ihn in seine eigene Epoche und seinen Kontext zurückzustellen und ihn dadurch genauer verstehen zu können.“
Darin liegt ein doppelter Befreiungsversuch: die Vergangenheit von den Projektionen der Gegenwart zu lösen und zugleich die Gegenwart von Lesarten zu befreien, die die Vergangenheit auf ein einziges Bild reduzieren. So überschreitet die Studie die Grenzen der historischen Fachforschung und berührt eine umfassendere erkenntnistheoretische und kulturelle Frage: Wie lässt sich die Tradition als komplexes historisches Phänomen erschließen, ohne sie zu idealisieren oder zu verkürzen – und ohne dabei außer Acht zu lassen, was ihre Untersuchung über gegenwärtige gesellschaftliche und intellektuelle Krisen sichtbar machen kann?
Deutsche Kategorie: Yvonne Albers und Mawaqif als Institution der Ideenproduktion

In der deutschsprachigen Kategorie ging der Preis an Prof. Dr. Yvonne Albers für ihr Buch Beirut und die Zeitschrift Mawaqif. Eine arabische Intellektuellengeschichte 1968–1994, das 2023 bei Brill Fink erschienen ist.
Die Studie nimmt die in Beirut herausgegebene Zeitschrift Mawaqif zum Ausgangspunkt, um eine entscheidende Phase der modernen arabischen Geistesgeschichte zu erschließen. Dabei erscheint die Zeitschrift nicht lediglich als Publikationsorgan oder als Spiegel literarischer Strömungen, sondern als kulturelle und intellektuelle Institution, in der Ideen entstehen, Begriffe verhandelt und literarische, politische und philosophische Strömungen miteinander in Beziehung gesetzt werden.
Die Originalität der Studie liegt darin, die Geschichte des intellektuellen Lebens über die Geschichte einer seiner prägenden Institutionen neu zu rekonstruieren. Ideen entstehen und zirkulieren nicht im luftleeren Raum. Sie entwickeln sich in Räumen der Veröffentlichung und Debatte sowie im komplexen Beziehungsgeflecht zwischen Intellektuellen, Institutionen und politischen wie gesellschaftlichen Umbrüchen. Indem Albers zwischen 1968 und 1994 eine Art intellektuelle Biografie der Zeitschrift zeichnet, entwirft sie eine neue Erzählung der modernen arabischen Geistesgeschichte. Dabei macht sie das Zusammenspiel literarischer Produktion, politischer Fragestellungen und theoretischer Entwürfe sichtbar.
Die Jury bezeichnete das Werk als eine „intellektuell und sprachlich herausragende“ Studie zu einer entscheidenden Phase der modernen arabischen Geistes- und Politikgeschichte. Sie würdigte insbesondere den originellen Zugang, der die Zeitschrift als Institution begreift, in der literarische Strömungen, politische Ideen und theoretische Debatten entstehen und Verbreitung finden. Hervorgehoben wurde zudem die Fähigkeit der Autorin, komplexe literarische, philosophische und politische Fragen in einer Weise zu behandeln, die auch einem breiteren akademischen Publikum in den Geistes- und Sozialwissenschaften zugänglich ist.
Die Bedeutung der Arbeit reicht über die Geschichte einer einzelnen Zeitschrift hinaus. Sie erweitert das Verständnis des intellektuellen Archivs und zeigt, dass sich Ideengeschichte nicht allein anhand von Texten schreiben lässt, sondern ebenso anhand jener Institutionen, die deren Entstehung, Diskussion und Wirkung ermöglichten. In diesem Sinne eröffnet Mawaqif einen Zugang zu einem umfassenderen Geflecht von Beziehungen zwischen Intellektuellen, Institutionen und historischem Wandel.
Englische Kategorie: Nora K. Schmid und die frühe Koranexegese in ihrem historischen Horizont

In der englischsprachigen Kategorie wurde die Forscherin Nora K. Schmid für ihr Buch The Ascetic Qur’an and its Kharijite Readers ausgezeichnet.
Das Werk entwickelt eine neue Perspektive auf die frühe Koranexegese. Grundlage ist eine präzise Textanalyse des Korans sowie einer breiten Auswahl arabischer Primärquellen. Schmid argumentiert, dass die asketische Dimension des Islam nicht erst später als eigenständige Bewegung hervortrat, sondern bereits im Korantext selbst verankert ist. Im Mittelpunkt steht die charidschitische Bewegung des ersten islamischen Jahrhunderts. Anhand ihrer Dichtung und Reden untersucht die Autorin diese Quellen als historische und literarische Zeugnisse, die neue Einblicke in Askese und Frömmigkeit in der Frühzeit des Islam ermöglichen.
Die Autorin verbindet eine genaue Textanalyse mit einer historischen Herangehensweise und setzt die Primärquellen in Beziehung zu einem breiten Spektrum bisheriger Forschung. Darüber hinaus untersucht sie Verbindungen zwischen spätantiken Traditionen religiöser Weltabkehr und frühen islamischen Frömmigkeitsformen. Dadurch eröffnet sie ein differenzierteres Verständnis der kulturellen und intellektuellen Kontexte, in denen religiöse Praktiken und Ausdrucksformen entstanden.
Die Jury lobte die außergewöhnliche Sensibilität der Autorin für Sprache, religiöse Auslegung und literarischen Ausdruck sowie ihre Fähigkeit, diese Elemente mit umfassenderen Fragen der Geistes- und Kulturgeschichte zu verbinden. Zugleich äußerte sie die Erwartung, dass das Buch auf lange Sicht zu einem maßgeblichen Referenzwerk seines Fachgebiets werden und auch Leserinnen und Leser außerhalb der unmittelbaren Fachdisziplin ansprechen werde.
Die Stärke der Arbeit liegt darin, Texte als Räume des Zusammenspiels von Sprache, Auslegung und religiöser Erfahrung zu verstehen – nicht lediglich als statische Belege für bereits feststehende Ideen. Indem die Studie die Stimmen dieser frühen Epoche durch Übersetzung und Analyse zugänglich macht, eröffnet sie einen Einblick in die religiösen Welten der frühen islamischen Frömmigkeit und verortet sie neu in ihren umfassenderen historischen und kulturellen Zusammenhängen.
Die Jurys: Neun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in drei Sprachkategorien
Für die erste Ausgabe berief der Preis drei spezialisierte akademische Jurys mit jeweils drei Mitgliedern. Sie bewerteten die eingereichten Werke entsprechend den drei Sprachkategorien.
Arabische Jury
- Prof. Dr. Amal Mohammed Al-Malki – Hamad Bin Khalifa University, Katar; Vorsitzende der arabischen Jury.
- Dr. Abd al-Rahman al-Ibrahim – Doha Institute for Graduate Studies, Katar.
- Dr. Rachid Boutayeb – Doha Institute for Graduate Studies, Katar.
Deutsche Jury
- Prof. Dr. Gudrun Krämer – Freie Universität Berlin, Deutschland.
- Prof. Dr. Stefan Gosepath – Universität Oslo, Norwegen; emeritierter Professor.
- Prof. Dr. Birgit Krawietz – Freie Universität Berlin, Deutschland; Vorsitzende der deutschen Jury.
Englische Jury
- Prof. Dr. Marilyn Booth – Universität Oxford, Vereinigtes Königreich; Vorsitzende der englischen Jury und emeritierte Professorin.
- Prof. Dr. Fred Donner – University of Chicago, Vereinigte Staaten; emeritierter Professor.
- Prof. Dr. Islam Dayeh – Universität Gent, Belgien.
Die Zusammensetzung der Jurys spiegelt die Vielfalt akademischer Expertise und institutioneller Zugehörigkeiten wider. Die ausgezeichneten Werke verbindet die Originalität ihrer Fragestellungen, die methodische Strenge und die Fähigkeit, einen Erkenntnisgewinn zu leisten, der über die bloße Wiedergabe bereits vorhandenen Wissens hinausgeht.
Kritische Erkenntnis als Brücke zwischen den Kulturen
In seinem Kommentar zur Einführung des Preises erklärte Dr. Lorans Al Hennawi, Direktor von Der Divan – Das Arabische Kulturhaus: „Wir verstehen den Riwaq-Buchpreis als weit mehr als eine Auszeichnung für herausragende wissenschaftliche Arbeiten. Er bringt unsere Überzeugung zum Ausdruck, dass fundierte Erkenntnis eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, uns selbst, unsere Geschichte und die Welt zu verstehen. Wissenschaftliche Forschung entfaltet ihren eigentlichen Wert dann, wenn sie den methodischen Mut besitzt, Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen, historische Zusammenhänge wiederherzustellen und Fragen zu öffnen, die durch vorschnelle oder verkürzende Deutungen verdeckt werden.
Die in dieser ersten Ausgabe ausgezeichneten Werke zeichnen sich durch eine bemerkenswerte Vielfalt an Themen und Methoden aus. Zugleich verbindet sie der Respekt vor der Komplexität historischer und menschlicher Phänomene sowie die Abkehr von vorschnellen Urteilen. Von der Einordnung überlieferter Traditionen in ihren historischen Kontext über die Untersuchung jener Institutionen, die das moderne arabische Geistesleben geprägt haben, bis hin zur Erforschung religiöser Praxis und Auslegung in der Frühzeit des Islam bieten diese Bücher Beispiele für eine Forschung, die nicht nur Wissen hervorbringt, sondern auch die Bedingungen seiner Entstehung und die Wege seiner Verbreitung kritisch reflektiert.
Wir sind stolz darauf, diese Initiative gemeinsam mit dem Deutschen Orient-Institut Beirut ins Leben zu rufen. Die Partnerschaft verkörpert unser Ziel, nachhaltige Brücken zwischen kulturellen und akademischen Institutionen zu bauen und den Dialog zwischen Forschenden, Sprachen und Denktraditionen zu erweitern. In wissenschaftliche Forschung zu investieren bedeutet im Kern, in die Fähigkeit von Gesellschaften zu investieren, ihre Geschichte zu verstehen, sich kritisch mit ihrer Gegenwart auseinanderzusetzen und einer offeneren und vielfältigeren Zukunft entgegenzublicken.“
Die Bedeutung dieser Zusammenarbeit liegt auch darin, dass sie eine Kultureinrichtung in Berlin mit einem deutschen Forschungsinstitut in Beirut verbindet. Auf diese Weise treffen akademische Expertise und kulturelle Initiative aufeinander, während herausragende wissenschaftliche Arbeiten einem Publikum zugänglich werden, das über die Grenzen einzelner Fachgebiete und Sprachen hinausreicht.
In diesem Zusammenhang wird die gemeinsame Zielsetzung der Initiative besonders deutlich: unabhängige wissenschaftliche Forschung zu fördern und Studien sichtbar zu machen, die unser Verständnis arabischer Kulturen und Gesellschaften durch originelle Methoden und kritische Perspektiven erweitern. In diesem Sinne erklärte Prof. Dr. Jens Hanssen, Direktor des Deutschen Orient-Instituts Beirut:
„Der Riwaq-Buchpreis unterstreicht die Bedeutung einer wissenschaftlichen Forschung, die arabische Kulturen und Gesellschaften als Gegenstände vertiefter kritischer Erkenntnis begreift – nicht als feststehende Bilder oder abgeschlossene Erzählungen. Herausragende Forschung zeichnet sich dadurch aus, dass sie Fragen neu stellt, überlieferte Deutungsmuster überprüft und durch die sorgfältige Arbeit an Quellen und historischen Kontexten zusätzliche Bedeutungsebenen erschließt.
Die in diesem Jahr ausgezeichneten Bücher zeigen aus jeweils eigener Perspektive, dass die Erforschung der Geistes- und Kulturgeschichte eine Verbindung von fachlicher Präzision und Offenheit für weiterreichende Fragen zu Gesellschaft, Politik, Sprache und Auslegung erfordert. Zugleich machen sie deutlich, dass die Mehrsprachigkeit nicht bloß einen organisatorischen Rahmen des Preises bildet, sondern eine Chance eröffnet, den akademischen Dialog auszuweiten und Wissen unterschiedlichen Forschungstraditionen und Publika zugänglich zu machen.
Die Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Orient-Institut Beirut und Der Divan – Das Arabische Kulturhaus schafft einen gemeinsamen Raum, in dem akademische Expertise und kulturelle Initiative zusammenfinden. Sie verleiht der wissenschaftlichen Forschung zugleich eine größere Sichtbarkeit über die Grenzen ihrer Fachdisziplinen hinaus. Wir hoffen, dass der Preis auch künftig originelle und methodisch anspruchsvolle Studien fördert und dazu beiträgt, langfristige wissenschaftliche und kulturelle Beziehungen zwischen Forschenden und Institutionen in der arabischen Welt und in Deutschland zu festigen.“
Riwaq: Ein Raum der Begegnung und der Vielfalt des Wissens
Der Name „Riwaq“ bezeichnet mehr als ein architektonisches Element. Er steht für einen Ort des Übergangs und der Begegnung, an dem unterschiedliche Wege nebeneinander verlaufen können, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Aus diesem Bild bezieht der Preis einen Teil seiner symbolischen Bedeutung: Wissen soll ein Raum sein, in dem Sprachen und Disziplinen einander begegnen und unterschiedliche Methoden miteinander ins Gespräch kommen – getragen von wissenschaftlicher Genauigkeit, Respekt vor den Belegen und Offenheit gegenüber neuen Fragen.
Die Aufgabe des Preises erschöpft sich nicht in der Auszeichnung prämierter Bücher. Sie reicht weiter: hin zur Förderung einer Forschungskultur, die Unterschiede zwischen wissenschaftlichen Ansätzen als Quelle der Bereicherung versteht, Geschichte als Gegenstand kritischer Erkenntnis begreift und den akademischen Austausch nutzt, um den Horizont des Wissens zu erweitern. Der Dialog zwischen Kulturen beginnt nicht mit der Aufhebung von Unterschieden, sondern mit der Fähigkeit, sie zu verstehen, historisch einzuordnen und ihnen Raum zu geben, damit aus ihnen tiefere und vielfältigere Erkenntnisse entstehen können.
Der Riwaq-Buchpreis wird alle zwei Jahre verliehen, im Wechsel zwischen den Geistes- und den Sozialwissenschaften. Nachdem die Ausgabe 2026 den Geisteswissenschaften gewidmet war, wird sich die nächste Ausgabe den Sozialwissenschaften zuwenden. Damit erweitert der Preis das Spektrum der geförderten Forschungsfelder und setzt seine Unterstützung für Studien fort, die originelle Beiträge zum Verständnis arabischer Kulturen und Gesellschaften sowie ihrer Wandlungsprozesse leisten.
Mit dieser Ausrichtung verfolgt der Riwaq-Buchpreis das Ziel, wissenschaftliche Forschung als eine Praxis der Genauigkeit, Kritik und Vielfalt zu stärken und Wissen zu einer Brücke zwischen Kulturen zu machen – nicht, um ihre Unterschiede aufzuheben, sondern um einen tieferen Dialog und ein wechselseitiges Verständnis zu ermöglichen.






















































































































