Am 9. April 2025 veranstaltete Der Divan – Das Arabische Kulturhaus in Zusammenarbeit mit dem German Mittelstand GCC Office eine hochrangig besetzte Podiumsdiskussion zu den Investitionsmöglichkeiten zwischen Katar und Deutschland. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Zukunftstages des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) statt und brachte Vertreter zentraler katarischer Wirtschafts-, Investitions-, Finanzierungs- und Innovationsinstitutionen mit Akteuren aus der deutschen Wirtschaft zusammen.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Katar über bestehende Handelsbeziehungen hinaus weiterentwickelt und insbesondere für den deutschen Mittelstand neue Möglichkeiten für Investitionen, Unternehmensgründungen, Kooperationen und Markterschließung geschaffen werden können.
Die Veranstaltung wurde von der Journalistin Anne Seubert moderiert. Als hochrangiger Gast nahm S.E. Dr. Ahmed bin Mohammed Al-Sayed, Staatsminister für Außenhandelsangelegenheiten im katarischen Ministerium für Handel und Industrie, an der Diskussion teil. In seinem Beitrag unterstrich er das Interesse Katars, die wirtschaftliche, handelspolitische und investive Zusammenarbeit mit Deutschland weiter auszubauen.
Ein besonderer Schwerpunkt seiner Ausführungen lag auf der Bedeutung kleiner und mittlerer Unternehmen für die Diversifizierung der katarischen Wirtschaft. Er verwies darauf, dass KMU einen wesentlichen Teil des privaten Unternehmenssektors in Katar ausmachen und insbesondere im Nicht-Kohlenwasserstoffsektor tätig sind. Im Rahmen der Qatar National Vision 2030 und der dritten nationalen Entwicklungsstrategie, so seine Ausführungen, werde daran gearbeitet, die Rahmenbedingungen für Unternehmen weiterzuentwickeln, regulatorische Strukturen zu modernisieren und Investitionen in neue und diversifizierte Wirtschaftsbereiche zu fördern.
Damit wurde zugleich ein zentrales Thema der Veranstaltung sichtbar: Diversifizierung und wirtschaftliche Transformation. Katar entwickelt seine Wirtschaft zunehmend über die traditionellen Energiebranchen hinaus und richtet den Blick auf neue Wachstumsfelder, während deutsche Unternehmen insbesondere mit ihrer technologischen Kompetenz, ihrem industriellen Know-how und ihrer Erfahrung im Mittelstand über komplementäre Stärken verfügen.
Die Diskussion machte deutlich, dass Investitionsbeziehungen zwischen beiden Ländern nicht ausschließlich als Frage des Kapitaltransfers verstanden werden können. Vielmehr eröffnen sie Möglichkeiten für langfristige Partnerschaften, gemeinsame Projekte und den Austausch von Technologie, Wissen und unternehmerischer Erfahrung.
Einen konkreten Einblick in die Investitionslandschaft Katars gab Mohammed Al Mulla, Leiter der Abteilung für Investorenbeziehungen bei Invest Qatar. Er stellte zentrale Rahmenbedingungen und Standortfaktoren vor, die aus seiner Sicht für internationale Unternehmen von Bedeutung sind. Dazu gehörten insbesondere die strategische Lage Katars, seine Anbindung an internationale Märkte, die digitale Infrastruktur sowie die wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für ausländische Investoren.
Bader Al-Madhadi, Associate Director im Bereich Investment Sectors bei der Qatar Free Zones Authority (QFZ), stellte anschließend die Möglichkeiten der katarischen Freizonen vor. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie internationale Unternehmen die Freizonen als Plattform für ihre Geschäftstätigkeit in Katar und der Region nutzen können und welche infrastrukturellen und unternehmerischen Rahmenbedingungen hierfür zur Verfügung stehen.
Die Perspektive des Qatar Financial Centre (QFC) brachte Mohammed Jassim Al-Kuwari, Senior Associate des Zentrums, ein. Im Mittelpunkt seines Beitrags standen die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen sowie die Unterstützungsangebote für internationale Unternehmen, die einen Einstieg in den katarischen Markt oder den Aufbau einer Präsenz in Katar erwägen.
Eine weitere Perspektive bot Ali Sultan Alkuwari, Senior Manager of Export Development bei der Qatar Development Bank (QDB). Er stellte die Rolle der Bank bei der Förderung nicht-energiebezogener Exporte und bei der Unterstützung der wirtschaftlichen Diversifizierung vor. Damit wurde eine weitere Dimension der wirtschaftlichen Zusammenarbeit angesprochen: die Entwicklung von Unternehmen, Produkten und Dienstleistungen, die über den katarischen Markt hinaus auf internationale Märkte ausgerichtet sind.
Den Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation vertrat Al-Dana Al-Mohannadi, Senior Program Specialist beim Qatar Research, Development and Innovation Council (QRDIC). Ihr Beitrag richtete den Blick auf die Möglichkeiten, die sich aus der Verbindung von Investitionen, moderner Infrastruktur, Forschung, Innovation und technologischer Entwicklung ergeben.
In ihrer Gesamtheit vermittelten die Beiträge ein differenziertes Bild der katarischen Investitionslandschaft. Nicht eine einzelne Branche stand im Mittelpunkt, sondern das Zusammenspiel verschiedener Institutionen und Instrumente: von der Investorenförderung über Freizonen und Finanzdienstleistungen bis hin zu Exportförderung, Forschung und Innovation.
Gerade für den deutschen Mittelstand eröffnete sich damit ein Dialog über konkrete Anknüpfungspunkte für eine vertiefte wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die Diskussion zeigte zugleich, dass erfolgreiche Investitionsbeziehungen langfristig nicht allein von Standortvorteilen abhängen, sondern von verlässlichen institutionellen Rahmenbedingungen, gegenseitigem Verständnis und belastbaren Partnerschaften.
Die Veranstaltung im Rahmen des BVMW-Zukunftstages bot hierfür einen geeigneten Rahmen. Der deutsche Mittelstand verfügt über eine international ausgerichtete Unternehmenskultur und besondere Kompetenzen in Bereichen wie Industrie, Technologie, Dienstleistungen und Innovation. Auf katarischer Seite standen Institutionen gegenüber, die internationale Unternehmen bei ihrem Markteintritt, ihrer Ansiedlung, Finanzierung und Entwicklung unterstützen.
Damit wurde die Veranstaltung auch zu einem Beispiel für die Rolle, die Der Divan – Das Arabische Kulturhaus in Berlin im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Austausch zwischen Deutschland und der arabischen Welt übernehmen kann: als Ort der Begegnung, des Dialogs und der Vernetzung unterschiedlicher institutioneller und unternehmerischer Akteure.
Am folgenden Tag, dem 10. April 2025, setzte die katarische Delegation ihren Aufenthalt in Berlin mit einem gemeinsamen Mittagessen im Der Divan fort. Der informelle Austausch bot Gelegenheit, die am Vortag angesprochenen Themen in persönlicher Atmosphäre weiterzuführen und bestehende Kontakte zu vertiefen.
Die Veranstaltung unterstrich damit die Bedeutung eines kontinuierlichen und direkten Austauschs zwischen den Wirtschaftsakteuren beider Länder. Über die Vorstellung einzelner Investitionsmöglichkeiten hinaus ging es um die Frage, wie aus wirtschaftlichem Interesse dauerhafte Partnerschaften und gemeinsame Perspektiven entstehen können.
Für Der Divan war die Veranstaltung zugleich ein weiterer Schritt, Berlin als Plattform für den Dialog zwischen Deutschland und den arabischen Staaten zu stärken und Räume zu schaffen, in denen wirtschaftliche, institutionelle und gesellschaftliche Beziehungen miteinander verbunden werden können.



































































