Am 24. Oktober 2023 veranstaltete Der Divan – Das Arabische Kulturhaus in Berlin den energiepolitischen Round Table „Is Europe Winning the Energy War?“. Im Mittelpunkt standen die energiepolitischen und geopolitischen Herausforderungen Europas im Kontext des russischen Krieges gegen die Ukraine und der daraus resultierenden Veränderungen der europäischen Energieversorgung.
Die Diskussion brachte ausgewiesene Experten aus den Bereichen Energie, Geopolitik und internationale Märkte zusammen. Im Zentrum standen Fragen nach der europäischen Energieversorgung, der Wirksamkeit der gegen Russland verhängten energiepolitischen Maßnahmen, der Entwicklung der Öl- und Gasmärkte sowie nach den langfristigen Voraussetzungen für die europäische Energiepolitik.
Zu den Teilnehmern gehörte Andriy Kobolov, ehemaliger CEO des ukrainischen Energieunternehmens Naftogaz und Mitgründer von ENEY, der per Video aus Kyiv zugeschaltet war. Er befasste sich mit der Anpassungsfähigkeit der russischen Energiepolitik und den Auswirkungen des Krieges auf die europäischen Energiemärkte. Dabei stellte er Überlegungen vor, wie sich die Einnahmen Russlands aus dem Energiegeschäft weiter begrenzen und finanzielle Umgehungswege erschweren ließen.
Ben Aris, Mitgründer und Chefredakteur von bne IntelliNews, richtete den Blick insbesondere auf die Wirksamkeit der internationalen Maßnahmen gegen russische Ölexporte. Er äußerte sich kritisch zur bisherigen Umsetzung des Ölpreisdeckels und sprach sich für Anpassungen und eine konsequentere Durchsetzung aus. Damit rückte die Frage in den Mittelpunkt, inwieweit energiepolitische Sanktionen tatsächlich geeignet sind, Russlands Einnahmen aus dem Ölgeschäft zu begrenzen.
Eine weitere Perspektive brachte Morten Frisch, Senior Partner bei Morten Frisch Consulting, in die Diskussion ein. Er thematisierte die Herausforderungen der europäischen Energiewende und die Frage, wie Versorgungssicherheit, Klimaziele und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander verbunden werden können. Dabei betrachtete er insbesondere die Rolle der Kernenergie innerhalb einer emissionsarmen europäischen Energiepolitik.
Moderiert wurde der Round Table von Prof. Dr. Thomas O’Donnell, Energie- und Geostrategieanalyst sowie Berater. Die Diskussion führte unterschiedliche Perspektiven auf die Zukunft der europäischen Energieversorgung zusammen und bezog dabei sowohl die geopolitische Dimension der Energiepolitik als auch Fragen des Klimaschutzes und der langfristigen Energiestrategie Europas ein.
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Rolle von Öl und Erdgas in der europäischen Energieversorgung und deren Verhältnis zu den klimapolitischen Zielsetzungen. Auch die mögliche zukünftige Bedeutung der Nord-Stream-Pipelines wurde im Rahmen des Gesprächs thematisiert.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass Europas energiepolitische Zukunft nicht auf eine einzelne Frage reduziert werden kann. Energieversorgungssicherheit, geopolitische Abhängigkeiten, Marktmechanismen, Sanktionen, Klimapolitik und technologische Entscheidungen stehen in einem komplexen Verhältnis zueinander. Die Beiträge der Teilnehmer verdeutlichten dabei unterschiedliche Ansätze und Einschätzungen darüber, wie Europa auf die tiefgreifenden Veränderungen der europäischen Energieordnung reagieren kann.
Gerade in einer Phase, in der die Energiekrise die politischen und wirtschaftlichen Debatten in Deutschland und Europa maßgeblich prägte, bot der Round Table einen Raum für eine sachorientierte Auseinandersetzung mit diesen Fragen. Im Vordergrund stand nicht die Suche nach einer einzelnen Antwort, sondern der Austausch unterschiedlicher fachlicher Perspektiven auf eine der zentralen strategischen Fragen Europas.
Der Divan Energie Forum setzte damit einen Akzent auf die Bedeutung eines offenen und interdisziplinären Dialogs über Energie, Geopolitik und die Zukunft Europas. Die Veranstaltung unterstrich zugleich die Notwendigkeit, energiepolitische Entscheidungen im Spannungsfeld von Versorgungssicherheit, wirtschaftlicher Stabilität, geopolitischen Entwicklungen und ökologischer Verantwortung zu betrachten.
Der Round Table zeigte somit, wie wichtig es ist, unterschiedliche Expertise miteinander ins Gespräch zu bringen und nach innovativen, realistischen und langfristig tragfähigen Ansätzen für Europas Energiezukunft zu suchen.













































































