Was passiert, wenn Dichtung zwischen Sprachen, Kulturen und Lebenswelten entsteht?
Grenzlandschaften versammelt arabische Lyrik, die genau an diesen Übergängen geschrieben wird, nämlich zwischen Herkunft und Ankunft, Erinnerung und Gegenwart, Verlust und Hoffnung.
Entstanden ist Grenzlandschaften in kultureller Zusammenarbeit zwischen dem Fachbereich für Arabistik, der Abteilung für Islamwissenschaft und Nahostsprachen der Universität Bonn und dem Divan – das Arabische Kulturhaus und wurde 2025 im EB-Verlag veröffentlicht. Es handelt sich um das erste Werk, das sich umfassend der arabischen Dichtung widmet, die seit den 1950er Jahren bis heute in Europa entstanden ist.
Übersetzer*innen, sowie Dozent*innen und Absolvent*innen, die teilweise selbst an der Universität Bonn lehren, haben die in Europa entstandene arabische Lyrik ins Deutsche übertragen und dabei ein vielfältiges Mosaik erschaffen. Sie arbeiteten als 11-köpfiges Expertenteam, unter wissenschaftlicher Leitung des libanesischen Dichters und Akademikers PD. Phil. Habil. Dr. Sarjun Karam, Lehrbeauftragter für Arabische Sprache und Literatur sowie Orientalische Sprachen an der Universität Bonn, gemeinsam an der Auswahl, Übertragung und Kontextualisierung der Texte. Ziel war es nicht, ein romantisiertes oder politisch verkürztes Bild arabischer Poesie zu repoduzieren, sondern vielmehr die Vielfalt poetischer Stimmen sichtbar zu machen, weshalb der arabische Originaltext in diesem Werk ebenfalls erhalten bleibt. Die Übersetzungen verstehen sich dabei nicht als rein sprachliche Übertragungen, sondern als Vermittlung zwischen unterschiedlichen literarischer Traditionen und Erfahrungen.
Die Anthologie ist aber auch zugleich eine bewusste Reaktion auf die Geschichte und Gegenwart literarischer Übersetzung aus dem Arabischen ins Deutsche. Während arabische Romane in den letzten Jahrzehnten zunehmend Beachtung fanden, blieben Gedichte weitgehend unterrepräsentiert, obwohl arabische Poesie zu den zentralen Ausdrucksformen arabischer Kultur gehört. Grenzlandschaften wurde geschaffen, um diese Lücke zu schließen und arabische Poesie im europäischen Kontext sichtbarer zu machen.
Die Anthologie vereint Gedichte von 55 arabischen Dichter*innen, die heute in 11 europäischen Ländern leben. Nicht nur vertreten sie unterschiedliche Generationen, von den 1970er Jahren bis ins 21. Jahrhundert, sondern auch verschiedene ästhetische Positionen und biographische Hintergründe. Ihre Texte erzählen von Exil und Heimat, von Körper und Identität, von Glauben, Liebe, Hoffnung aber auch von Vergänglichkeit und Neuanfang. Sie spiegeln Erfahrungen des Dazwischenseins: Geschichten von Leben, die sich nicht eindeutig einer Welt zuordnen lassen, sondern sich im Spannungsfeld mehrerer Wirklichkeiten entfalten.
Inspiriert von der koranischen Metapher zweier Meere, eines süß, eines salzig, die durch eine unsichtbare Schranke getrennt sind, steht der Titel Grenzlandschaften für das Leben und Schreiben zwischen verschiedenen Welten. Die Anthologie zeichnet eine neue Karte der arabischen literarischen Kreativität in Europa und präsentiert eine literarische Erfahrung, die Tradition und Moderne, arabische Sprache und europäische Kultur verbindet.












































