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Die Arabische Halbinsel ist ein Freilichtmuseum. Überall finden sich alte Inschriften und Felszeichnungen, die in die Gesteine der Region eingraviert wurden. Mit den Namen, Ereignissen sowie religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Praktiken, die sie festhalten, stellen sie eine zentrale Quelle für eine neue Betrachtung der Geschichte der Araber und der Region dar – jenseits traditioneller historischer Erzählungen.
Sie offenbaren nicht nur vergessene Sprachen und unterschiedliche Schriftsysteme, sondern eröffnen auch neue Perspektiven auf das Verständnis der arabischen Gesellschaften vor dem Islam – durch das, was Felszeichnungen, Karawanenspuren, Tempel, antike Städte und Handelsrouten bewahrt haben.
Wie können die vergessenen Inschriften auf den Felsen der Arabischen Halbinsel die Geschichte der Region neu schreiben? Und was verraten uns alte Sprachen, Felszeichnungen, Karawanenspuren, Tempel und antike Städte über die arabische Welt vor dem Islam?
Vor diesem Hintergrund lädt Der Divan – Das Arabische Kulturhaus, gemeinsam mit dem Hassan bin Mohammad Centre for Historical Studies und dem Wissenschaftsverlag Brill, zu einem besonderen Abend anlässlich der Vorstellung der zweiten Ausgabe der Zeitschrift „Athīrat: Journal of Ancient Arabia“ ein. Zu Gast ist der Chefredakteur der Zeitschrift, Dr. Muhammad Maraqten, Forscher und Spezialist für Sprachen und Zivilisationen des Alten Orients, insbesondere für die antike Arabische Halbinsel, ihre Sprachen, Inschriften und archäologischen Zeugnisse.
Athīrat ist die erste internationale, wissenschaftlich begutachtete arabischsprachige Fachzeitschrift, die sich den Sprachen und Kulturen des Alten Arabiens widmet. Herausgegeben wird sie vom Hassan bin Muhammad Centre for Historical Studies in Doha in Zusammenarbeit mit dem renommierten Wissenschaftsverlag Brill, einer der bedeutendsten Institutionen im Bereich der Orientalistik und Geisteswissenschaften weltweit.
Die Zeitschrift versteht sich als wegweisendes wissenschaftliches und kulturelles Projekt. Ihr Ziel ist es, die antike Arabische Halbinsel wieder ins Zentrum der globalen Geschichtsforschung zu rücken – nicht als Randgebiet, sondern als einen bedeutenden, vielschichtigen Kulturraum, dessen in Stein eingeschriebenes Gedächtnis sich über Jahrtausende erstreckt.
Die Veröffentlichung von Athīrat setzt die Arbeit des Hassan bin Muhammad Centre for Historical Studies fort. Das Zentrum wurde 1997 auf Initiative von Scheich Hassan bin Muhammad Al Thani mit dem Ziel gegründet, spezialisierte Studien zur Geschichte Katars und der Arabischen Halbinsel zu fördern, seltene historische Dokumente und Quellen zu sammeln, wissenschaftliche Publikationen herauszugeben sowie Fachsymposien und intellektuelle Diskussionsforen zu organisieren.
Der Titel „Athīrat“ trägt tiefe kulturhistorische Bedeutung: Er verweist auf eine antike Göttin, die in den Traditionen des Alten Orients und Südarabiens bekannt war – von Ugarit bis zum alten Jemen. Der Name symbolisiert die kulturellen und historischen Verbindungen zwischen der Arabischen Halbinsel und der Levante seit Beginn des zweiten Jahrtausends v. Chr. sowie die Netzwerke des kulturellen Austauschs, die die Völker der Region in der Antike miteinander verbanden.
Die Veranstaltung wird von Prof. Dr. André Gingrich von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Wien) moderiert. An der anschließenden Podiumsdiskussion nimmt außerdem Abdelraouf Oueslati, Publishing Manager für Nahost- und Islamstudien bei Brill, teil.
Der Abend beginnt mit einem Vortrag von Dr. Muhammad Maraqten unter dem Titel „Das kulturelle Gedächtnis des Alten Arabiens: Schrift- und Dokumentationskultur“. Darin stellt er die Fragen: Waren die Araber vor dem Islam tatsächlich Analphabeten? Worüber berichten die Inschriften und Texte der Arabischen Halbinsel aus vorislamischer Zeit?
Anschließend präsentiert er das Konzept sowie die wissenschaftliche und intellektuelle Ausrichtung der Zeitschrift. Dabei diskutiert Maraqten die grundlegenden Veränderungen in der Erforschung des Alten Arabiens, die durch neue archäologische und epigraphische Entdeckungen ausgelöst wurden. Zudem beleuchtet er die mögliche Rolle der Zeitschrift als Brücke des Wissensaustauschs zwischen arabischen Forschenden und internationalen akademischen Institutionen – über eine flexible und zugängliche wissenschaftliche Plattform in arabischer und englischer Sprache.
Dieser Abend bietet die Gelegenheit, die Arabische Halbinsel als offenes Museum zu betrachten, dessen Inschriften, Felszeichnungen und archäologische Zeugnisse Tag für Tag neue Einblicke in die Geschichte des Menschen, der Sprache, der Religion und des Alltagslebens der Region ermöglichen.
Ein Abend über das steinerne Gedächtnis der Arabischen Halbinsel – und über die Stimmen, die aus den Tiefen alter Inschriften und vergessener Sprachen zu uns zurückkehren.
Veranstaltungsdatum: Dienstag, 7. Juli 2026, 18:00 Uhr
Ort: Der Divan – Das Arabische Kulturhaus (Schützallee 27–29, 14169 Berlin)
Moderation: Prof. Dr. André Gingrich
Veranstaltungssprachen: Arabisch und Deutsch mit Simultanübersetzung



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