Am 19. Februar 2026 lud Der Divan – Das Arabische Kulturhaus im Rahmen der 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin zur Podiumsdiskussion „Geschichten in einer Welt in Aufruhr“ ins Hotel Scandic Berlin Potsdamer Platz ein.
Eröffnet wurde der Abend durch S.E. Abdalla Al-Hamar der in seiner Rede die Bedeutung kultureller Räume und internationaler Filmfestivals für den interkulturellen Dialog hervorhob. Er unterstrich, dass Film ein wesentliches Instrument sei, um komplexe gesellschaftliche Realitäten sichtbar zu machen und Perspektiven aus unterschiedlichen Regionen der Welt miteinander ins Gespräch zu bringen.
Im Zentrum des Abends standen drei Filmschaffende, deren Arbeiten in diesem Jahr Teil des offiziellen Berlinale-Programms sind und die auf sehr unterschiedliche Weise zeigen, wie Kino auf politische und gesellschaftliche Erschütterungen reagiert.
Zu Gast waren die libanesische Regisseurin Rania Refai, der palästinensische Filmemacher Abdallah Alkhatib und der ägyptische Regisseur Mohammed Hammad. Moderiert wurde das Gespräch von Samir Nasr, der das Filmprogramm des Divan kuratiert.
Rania Refai war mit ihrem Film „The Day of Wrath: Tales from Tripoli“ in der Sektion FORUM vertreten. In ihrem Werk verbindet sie persönliche Erinnerungen mit der politischen Realität der Stadt Tripoli. Der Film bewegt sich zwischen Intimität und kollektivem Gedächtnis und versteht sich als zärtlicher, zugleich entschlossener Akt des Widerstands gegen das Vergessen.
„Chronicles From the Siege“ von Abdallah Alkhatib lief in der Reihe PERSPEKTIVEN. Der Film erzählt vom Alltag einer belagerten Stadt: Von Hunger, Angst und permanenter Bedrohung, aber auch von Freundschaft, Sehnsucht und dem unbeirrbaren Wunsch nach einem Rest Normalität.
Mit dem Psychothriller Safe Exit, der in der Sektion PANORAMA gezeigt wird, richtet Mohammed Hammad den Blick auf eine Generation, die im Schatten langjähriger religiöser und ethnischer Konflikte aufgewachsen ist. Sein Film folgt dem jungen Sicherheitsmann Samaan, dessen persönliche Geschichte untrennbar mit kollektiven Traumata verbunden ist.
Im Gespräch standen vor allem die Motivation der Regisseur*innen im Mittelpunkt, diese Geschichten gerade jetzt zu erzählen. Es ging um Produktionsbedingungen in fragilen politischen Kontexten, um Förderstrukturen, um internationale Rezeption und insbesondere um Formen innerer und äußerer Zensur. Dabei wurde deutlich, dass Zensur nicht nur als staatliche Einschränkung existiert, sondern auch als Selbstbefragung: Was kann ich zeigen? Was darf ich zeigen? Was will ich zeigen? Wen möchte ich ansprechen, zum Nachdenken anregen oder sogar kritisieren?
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie sich Narrative verändern, wenn sich die Weltordnung verschiebt. Alle drei Filmschaffenden betonten, dass sich ihre Perspektive auf die eigenen Geschichten im Laufe der Arbeit verändert habe: Durch politische Ereignisse, durch persönliche Erfahrungen, durch die Verantwortung gegenüber den Menschen, die sie porträtieren.
Der Abend zeigte eindrücklich, dass arabisches Kino keine homogene Stimme ist, sondern ein vielstimmiger Raum ästhetischer und politischer Auseinandersetzung. Gerade in Zeiten globaler Umbrüche wird Film zu einem Ort, an dem Erinnerung bewahrt, Realität befragt und Zukunft imaginiert wird.





































































